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Literatur zum Anfassen

Schweizer Autor Jan Peters besucht die Kurt-Schumacher-Schule Karben

Nicht Goethe, nicht Schiller und auch nicht Fontane lesen die Deutsch-Leistungskurs-Schüler der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) derzeit im Unterricht. Stattdessen steht der in der Schweiz lebende Literat Jan Peters auf dem Lehrplan. Diesen gab es nun hautnah zum Anfassen in der Bibliothek.

Von Stefanie Désirée Rieger

Karben

Behutsam nippt Jan Peters an seinem Wasserglas, streicht sich langsam über sein weinrotes Polo-Hemd und setzt dann zur Begrüßung der zwölf Schüler an: "Ich war mir anfangs gar nicht sicher, ob ich überhaupt in der Lage sei, eine deutsche Schule zu betreten." Peters, selbst examinierter Gymnasiallehrer, erinnert sich nur ungern an seine Zeit in deutschen Bildungsanstalten zurück. Zum Glück für die Schüler aber hat er dieses Trauma aus den 80er-Jahren inzwischen überwunden und ist bereits zum vierten Mal Gast an der Kurt-Schumacher-Schule.
Eingeladen hat ihn der Deutsch-LK-Lehrer Holger Gronau, den mit Jan Peters eine 40 Jahre lange Freundschaft verbindet. Einst an der Goethe-Universität in Frankfurt kennengelernt, haben sich die beiden Geographen nie mehr aus den Augen verloren.
So verwundert es auch nicht, dass Gronau auf die Idee kam, für wenige Wochen die deutschen Literaturklassiker beiseite zu legen und stattdessen auf "moderne Literatur" von Jan Peters zurückzugreifen. "Sebastian" heißt das Werk des 64-jährigen, das stark autobiographische Züge trägt. "Darin geht es um den jungen und den alten Sebastian, die beide aus abwechselnden Perspektiven über ihr Leben berichten", erklärt Jan Peters, der nahe Basel lebt.

Interessierte Schüler

Peters, der in Goslar geboren ist, siedelt eben dort auch seine Geschichte an. Sein Blick schweift immer wieder zurück in die Kindheit. Dichte Personenbeschreibungen wie die des pragmatischen Vaters prägen den Text ebenso wie die atmosphärisch gezeichnete Stimmungen der niedersächsischen Stadt Goslar.
Auch das gute Dutzend Schüler findet diese Erläuterungen spannend und hört den Ausführungen des Schriftstellers interessiert zu. "Es ist toll, den Autor selbst zu treffen. So jemanden haben wir ja nicht alle Tage an der Schule", findet Sophie Diehl (18). Auch Mitschülerin Alisa Zeiler (18) stimmt ihrer Klassenkameradin zu: "Mir gefällt es besonders gut, dass wir Herrn Peters alle Fragen stellen können, die uns beim Lesen in den Sinn gekommen sind."

Löcher in Bauch gefragt

Genau das ist auch das Ansinnen von Holger Gronau. "Ich freue mich für die Schüler über diese einmalige Möglichkeit, mit einem Autor im kleinen Kreis zu sprechen." Dabei war es gar nicht so einfach, einen geeigneten Termin für die Lesung zu finden. "Wir hatten den ’Sebastian’ schon im vergangenen Schuljahr behandelt und hatten uns dazu auch nach Schulschluss getroffen, um das Buch zu besprechen", berichtet der Deutschlehrer.
Und in der Tat: Die Lesung war ein voller Erfolg – die Schüler konnten Peters Löcher in den Bauch fragen. Dieser wiederum antwortete gerne und fühlte sich auch "ein wenig gebauchpinselt" über das große Interesse des Deutsch-Leistungskurses an seinem "Sebastian". Dieser ist eines von insgesamt sechs Büchern, die aus der Feder Jan Peters stammen.
Derzeit arbeitet er an seinem neusten Werk, das bislang "nur in Fragmenten" vorhanden sei. Einen Namen weiß der Autor bislang noch nicht. Doch eines ist ihm sicher: Eine weitere Einladung an die KSS wird von seinem Freund Holger Gronau gewiss wieder folgen. Dann wird es wieder Literatur zum Anfassen geben.

Artikel vom 27. August 2012, Frankfurter Neue Presse



«Es scheint mir offensichtlich, dass hinter jedem sichtbaren Wort ein weiteres lauert.»

Oberbaselbieter Zeitung,
8. Januar 2004







Soweit sich Presseberichte expressis verbis auf einzelne Bücher beziehen, sind sie diesen entsprechend zugeordnet und finden sich dort unter der Rubrik ‹Rezensionen›.

Dies ist das auf den ersten Blick etwas rätselhafte Motto, das der seit 13 Jahren im oberen Waldenburgertal in der Medizinalbranche arbeitende Autor Jan Peters seiner schriftstellerischen Tätigkeit als Leitmotiv voranstellt.

Jan Peters, der ursprünglich aus Deutschland stammt, hat bis heute vier Bücher veröffentlicht. Im Gespräch mit dem Autor fällt auf, dass er sehr behutsam mit der Sprache umgeht. Er formuliert seine Sätze sorgfältig und überlegt, jeden druckreif, häufig mit einem Anflug ironischer Untertöne. «Ich liebe die deutsche Sprache innig und Heinrich Heine ganz besonders.» Diese Liebe habe er schon mit der Muttermilch verabreicht bekommen, meint er selbst, «und da meine Mutter eine Preussin der alten Garde ist, fehlt es meinen Sätzen nicht an hoher Präzision und gewissenhafter Pflichterfüllung. Ich bin schliesslich nicht auf dieser Welt, um mich zu amüsieren!» Wie gesagt, Ironie, Mehrdeutigkeiten und sprachliche Versteckspiele schätzt Jan Peters, der 1995 «aus dankbarer Überzeugung» Schweizer Staatsbürger geworden ist, über alles.
Auch in seinem jetzigen Beruf – er hat noch einige andere gelernt und ausgeübt – gehört er zur schreibenden Gilde. Bei der Waldenburger Institut Straumann AG ist er seit über sieben Jahren als Redaktor unter anderem für die weltweit erscheinende Kunden- und eine Mitarbeiterzeitschrift verantwortlich, jeweils in drei Sprachen.

Für das Schreiben seiner Bücher gebe es jeweils andere Gründe, erklärt er, und «Bücher zu schreiben ist das allergrösste Abenteuer überhaupt», denn zumindest so, wie er als «Überzeugungstäter» schreibe, gehe das sehr tief und pauschal zu antworten, «ich schreibe, weil...», sei ihm unmöglich. Mit dem Wort «tief» sind wir bereits bei Jan Peters’ erstem Buch angelangt: «Tief im Norden – In der pädagogischen Windstille», erschienen 1995. Der Inhalt, dieser «Studie über strukturelle Gewalt»: «Ein Frankfurter Gymnasiallehrer begibt sich im Jahre 1981 mehr oder weniger freiwillig nach Schleswig-Holstein in den Schuldienst und erfährt dort Enge, Verfinsterung und Kälte. Tief im Norden entstehen schroffe Konfrontationen dadurch, dass sich die strukturelle Macht der Schulbürokratie rücksichtslos und formal abgesichert gegen das Individuum durchsetzt, ohne ihm das Recht auf Freiraum einzuräumen. Unvereinbare Auffassungen darüber, wie sich Menschen verhalten sollten, eskalieren in Dimensionen, die in existenzieller Bedrohung münden. Dieses Buch ist eine Chronik des Unverständnisses, aggressiven Misstrauens und massiver Ablehnung. Der Autor empfindet solches Verhalten als vorzivilisatorisch und versucht, diese bis ins Pathologische reichenden Grenzsituationen aus verschiedensten Blickwinkeln zu analysieren – wobei er sein eigenes Verhalten keineswegs von Kritik ausnimmt.» Im Norden Deutschlands stiess das Buch auf sehr heftige Reaktionen, zu denen der Autor meint: «Es war auch nicht so gemeint, dass ihr mir dafür applaudieren solltet.»

Buch Nr. 2 erschien 1997: «Frankfurt – Vermutungen über eine Zumutung». Es ist «eine impulsive, assoziative, emotionale und ungefiltert verträumte Gesamtreflexion der mit Wolkenkratzern aufstrebenden deutschen Bankenmetropole Frankfurt, auch ‹Mainhattan› genannt, der Verkehrsdrehscheibe im Zentrum Deutschlands.» Jan Peters hat zwölf Jahre seines Lebens in dieser Stadt verbracht und dieses Buch, das er mit eigenen Fotos bebildert hat, ist eine Hommage an diese Stadt, die er nach eigenem Bekunden nie vollständig verlassen habe.

Im Jahr 2000 erschien dann «Sebastian – Abenteuerliches aus vergangenen Zeiten», ein Roman mit autobiografischen Zügen, über den die Presse schrieb:

«Das Goslar der Jahre 1947 bis 1967 ist der atmosphärisch dichte Rahmen für die Kindheits- und Jugenderinnerungen des Autors Jan Peters. Die individuellen Eindrücke des jungen Sebastian gewinnen ihr Gewicht aus der Sprache. Mit humorvoll-ironischer Prägung korrespondiert der Reichtum eindringlicher Bilder. Bemerkenswert sind die Porträts, die Jan Peters zeichnet, von seinem pragmatischen Vater wie von einem Pastor, der dem Alten Testament entsprungen sein könnte.»

Goslarsche Zeitung, 30.01.2001
«Als Leser hat man das Gefühl, etwas über die Mechanismen des Erinnerns zu erfahren: Im Widerstreit des Verdrängens mit der Wahrheitssuche, einer Selbstschau, wird schliesslich ein Konsens gefunden; Erinnerung und Selbstverständnis einer Person. Hier wird feinsinnig herausgearbeitet, wie Erinnerungen einem Verfalldatum gehorchen.»

Aargauer Zeitung, 25.01.2001
Und schliesslich, im Jahre 2002, Buch Nr.4: «Skandal! Skandal!», von dem Jan Peters sagt, dies sei «der völlig respektlose und undisziplinierte Versuch, das anarchistische Potenzial des menschlichen Genoms in Blei wüst zu giessen. Das Organisationsprinzip des Buches entspricht dem ‹Chaos›, das in der Natur herrscht und aus dem nicht zuletzt die Erotik ihre beträchtlich verwirrende Energie bezieht. Skandal! Skandal! ist zwar einerseits keine Droge, sondern sieht harmlos wie ein Buch aus, andererseits sprach Paracelsus: «Alles ist ein Gift, allein die Dosis macht’s!»

Und die Basler Zeitung meinte am 10. Oktober 2002 zu J. Peters’ «Skandal! Skandal!»:

«Dieses Unterlaufen der Ordnung gelingt Peters nicht nur gestalterisch. Auch wie er mit dem Text spielt und häufig zum Possenreisser wird, der alles auf den Kopf stellt, macht das Lesen vergnüglich. Obwohl seine Beschreibung ‹Der Untergang des Hauses Arthur oder: Die wunderschöne Königin Jane Alexa Coupar und ihre geheimnisvolle Feuerlilie› und auch der zweite Text, eine Neuinterpretation des germanischen Heldenepos Held Siegfried, in tief dunkler Vergangenheit spielen, spinnt Jan Peters sein virtuoses sprachliches Netz ebenso im Heute. Er spannt die Fäden hin und her, wo er gerade die nächste Anspielung platzieren will. Ganz im Gegensatz zu seinen drei bisherigen ‹ernsten› Büchern zeigt hier der Kaiseraugster Autor seine schalkhafte Seite, mit einer ausgeprägten Lust am (Un-)Sinn und an grotesken Situationen, teilweise gespickt mit erotischen Fantasien. Ganz ungeniert, richtig skandalös.»

Seit Dezember 2003 schreibt Jan Peters Glossen für den «Nebelspalter», und da der Kaiseraugster Autor sehr wohl weiss, dass beissende Ironie gelegentlich für bare Münze genommen werde und somit Missverständnissen ausgesetzt sei, legt er grossen Wert auf die Feststellung, dass man Ironie auch durchaus für die raffinierteste Tarnung überhaupt halten könne, der Menschheit Liebeserklärungen zu machen, ohne ihr gleichzeitig die Hochzeit zu versprechen...

Fraglos muss man sich in die Bücher des Wahl-Kaiseraugster Autors zunächst einlesen, denn sein Stil ist nicht der einfachste; woraufhin er selbst lächelnd zu sagen pflegt: «Seit wann ist das Leben einfach? Und meine Sprache zeichnet dies nach. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.»

Jan Peters wurde 1947 im niedersächsischen Goslar am Harz geboren. Weitere Stationen seines Lebens in Deutschland waren Lüneburg, Frankfurt am Main und schliesslich die Treibsände Schleswig-Holsteins, die fast zur Havarie geführt hätten. Seit 1974 ist Jan Peters mit einer «Suissesse Romande» verheiratet und lebt mit ihr seit 1988 im Kanton Aargau.

Bücher von Jan Peters (info@jan-peters.ch) sind im Buchhandel erhältlich. Unter www.amazon.de: Jan Peters, Skandal! Skandal! sind zahlreiche «skandalöse» Leserrezensionen einsehbar. Die Leserinnen und Leser sind herzlich eingeladen, bei www.amazon.de eigene Beurteilungen hinzuzufügen.